Var. Art.

JazzWerkstatt Wien 2005

JWR 01/06 – 2 CDs


CD I:

1. Koller-Riff (H. Koller) – Salesny’s Hans Koller Tribute
2. Panaroia (R. Preuschl) – Fuzz Noir
3. Dancing With M. Chansen (B. Satzinger) – Bernd Satzinger Trio
4. Käfig (D. Riegler) – Studio Dan
5. Trauermarsch Nr. 1 (W. Schiftner) – Phoen
6. Kleid der Stille (Wenger/Reisinger) – Die Jazzlegenden
7. Da rumpelt die Kartoffel (W. Schiftner) – Kelomat feat. Daniel Riegler
8. Headbanging (R. Preuschl) – Kontra5ntett
9. Bumpfi’s Lieblingsmelodie (C. Wenger) – Die Jazzlegenden
10. Ich bin der Haselnuss (D. Riegler) – Piktogramm
11. Extended Maxi (P. Rom) – Fuzz Noir

CD II:

1. Kampf der Häuptlinge (T. Kövesdi) – Studio Dan
2. Tahmine (R. Preuschl) – Salesny/Schabata/Preuschl
3. Kafka’s Humor (P. Rom) – Peter Rom Trio*
4. Seltsamer Abend (B. Satzinger) – Bernd Satzinger Trio feat. Daniel Riegler
5. Im Zwergenland (D. Riegler) – Studio Dan
6. Sauwald Experience (C. Salesny) – Salesny/Schiftner/Prowaznik
7. Crystal Tears (L. Thöni) – Crystal Tears
8. The Philadelphia Experiment (P. Rom) – Rom/Wenger
9. Wumm-Zack V (M. Nagl) – Wumm Zack
10. The Lions Don’t Sleep At Night – They Swing (C. Wenger) – Clemens Salesny Quintett/Kelomat Doubleband
11. Fiakerlied (G. Pick) – Die Jazzlegenden

Recorded live March 21 – April 17, 2005 at WUK, Vienna by Werner Angerer
Mixed and Mastered by Werner Angerer and Paul Urbanek

Klaus Nüchtern, Falter 11/06, März 2006

JazzWerkstatt auf CD

Gemäß der Maxime, sich lieber selbst um alles zu kümmern (weil’s wer anderer ja eh nicht tut), hat die Jazzwerkstatt im letzten Jahr gleich ihr eigenes Label gegründet: Jazzwerkstatt Records (JWR). Und auch hier geht es, der pragmatischen Philosophie der Jazzwerkstatt entsprechend, in erster Linie um Vernetzung und die Vereinfachung von Abläufen und nicht um eine einheitliche Ästhetik. „Die Musik soll bei den Musikern bleiben“, umreißt Bassist Bernd Satzinger das Konzept. Das bedeutet nicht nur, dass die Rechte selbstverständlich bei den Musikern bleiben, sondern dass auch die Gestaltung Sache der jeweiligen Künstler ist: Die CDs sind nicht nur musikalisch sehr unterschiedlich, sie sehen auch ganz verschieden aus. Den Beginn machte naturgemäß ein auf zwei CDs veröffentlichter Mitschnitt der „Jazzwerkstatt Wien 2005“, die im Frühjahr des Vorjahres im Wuk über die Bühne ging. Die 22 Stücke, die hier versammelt sind, geben einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Ansätze der in verschiedenen Bands und Gruppierungen auftretenden Musiker – vom Duo bis zur 15-köpfigen Bigband. Allein, wenn man die beiden Einspielungen von Studio Dan vergleicht, wird etwas von der stilistischen Bandbreite der Jazzwerkstatt spürbar: Während „Käfig“ eher in Richtung einer kühlen Fagott-meets-Laptop-Ästhetik geht, steht der verschrobene Swing des mit Powerplay-Soli aufwartenden „Im Zwergenland“ durchaus in der (heimischen) Tradition einer Band wie Nouvelle Cuisine. (...)

Thomas Haderlapp, Concerto Nr. 5, Oktober/November 2005

Jetzt heißt es hinein hören in die Werkshallen der jungen österreichischen Improvisationshandwerker und Sound-Monteure Clemens Salesny, Clemens Wenger, Bernd Satzinger, Daniel Riegler, Wolfgang Schiftner oder Peter Rom. Da pocht, tuckert und brodelt es, wenn Werksleiter wie Clemens Salesny zum Koller-Riff anheben. Da stampft und scheppert es bei headbanging von kontra5ntett und da schwankt das Gemäuer bei wumm-zack V von wumm-zack. Flirrend-erfrischende Innovationsprodukte liefern ganz besonders Studio Dan und das Peter Rom-Trio. Spätestens jetzt wird klar, dass kein Fließband-Sound und keinerlei Massenware die Jazzwerkstatt verlässt! Aus den Lehrbuam sind allesamt Jungmeister hervor gegangen, die sich in den ehemaligen Fabrikationshallen (sic!) des WUK eine Jazzwerkstatt einrichteten. Aus diesem spontanen Vorhaben ist eine blühende und äußerst gut gehende Musik-Manufaktur entstanden, die zweifelsohne ein wichtiger Leitbetrieb in der zukünftigen österreichischen Jazzszene werden wird. Mit der Jazzwerkstatt wird Österreich zu einem wichtigen Standortfaktor in Sachen progressiven Jazz- und Kunstgeschehens!

Martin Laurentius, Jazz thing Nr. 60, September/Oktober 2005

Auf 150 Minuten verteilt zeigen die jungen Musiker aus der österreichischen Hauptstadt in 21 Originalkompositionen, wie stilistisch breit und zeitgemäß europäischer Jazz sein kann. Die sechs künstlerischen Leiter der JazzWerkstatt Wien stellen aus einem Pool von rund 60 österreichischen Nachwuchsmusikern immer wieder neue Formationen zusammen, mit denen sie leichtfüßig die Grenzen zwischen Jazz und Elektronik, Neuer Musik und Avantgarde überschreiten. Darüber hinaus ist dieses Doppel-Album die erste Veröffentlichung auf dem Kollektiv-eigenen Label JazzWerkstatt Records.

Noël Akchoté, skug magazine, September 2005

I’ve thought of a dozen ways to open this review but the best one is for me to shut up and listen to the fantastic opening of this double album itself: Koller Riff by Salesny´s Hans Koller tribute. Sounds so dense and full that you get thrown back into Mingus workshops and the early Globe Unity Orchestra (If that starts and sustain on such level i´ll soon need 3 pages). Total amazement on every track is here. Bernd Satzinger (Wurlitzer) trio (check out Christian Grobauer on drums), enters the electric Paul Bley era while in Käfig a large ensemble plays great tones and colours. Kelomat is a strong quartet with trombone, Alto, Bass and drums á la Tim Berne, Roswell Rudd and Kontra5nett a lovely double bass ensemble while Fuzz Noir enters the more 80´s and early 90´s different jazz forms with a particularly good Goodrick-ish Peter Rom on guitar. See, i get simply speechless because indeed and as warmly recommended by Christoph Huber (Mr. Porgy & Bess) this album is from far the most intense and achieved new Austro-Jazz overview. I don’t know when they give prices, awards and subventions, but I would highlite 100% this group of extremely talented musicians now and later. The second CD sees more of these combinations between most of these heard on #1. So much music, so many bands and advanced directions strongly stated already can only make us hope a great future in music here (about 30 years after the first VAO…) — 10 stars.

Thomas Hein, Jazzzeit Nr. 55, Juli/August 2005

Mediale Wellen haben sie schon ausgelöst, die sechs Initiatoren der JazzWerkstatt, die mit ihrem Pool von etwa 60 Musikern von 21. März bis 17. April 2005 im WUK-Museum in Wien ihre meist experimentellen musikalischen Fährten ausgelegt haben. Einen ersten Auszug der Ergebnisse gibt es jetzt auf einer Doppel-CD zu erkunden, die jungen österreichischen Jazz Tigers zeigen mit lautem Brüllen der bestehenden Szene die Zähne. Bands wie das Bernd Satzinger Trio, die jazzlegenden, fuzz noir, Clemens Salesny Quartet, kontra5ntett, Peter Rom Trio, phoen, wumm-zack, studio dan oder die preisgekrönten kelomat sollten bald zum häufig verwendeten Vokabular der heimischen Jazzfans gehören. Es brodelt experimentell in den Küchen der JazzWerkstatt, ein aussagekräftiger erster Überblick ist den Künstlern gelungen, ob es die jazzlegenden von morgen sind, bedarf weiterer Beweise.